< Die Initiative gründet sich
28.03.2014 10:00 Alter: 5 yrs

Umsetzung von Inklusion ist kein Wunschbaum

Pressemitteilung


Wenn das Land Baden-Württemberg kein klares und solide finanziertes Förderprogramm für den Umbau der rund zwanzig im Land befindlichen Komplexeinrichtungen auflegt, drohen viele der etwa 10.000 Menschen mit schweren geistigen und mehrfachen Behinderungen zu den Verlierern der Inklusion zu werden. Ohne die für den Aufbau spezieller gemeindeintegrierter Angebote und für die Sanierung bzw. Modernisierung der bisherigen Komplexstandorte ausreichenden Investivfördermittel wird das von der grün-roten Landesregierung ausgegebene Ziel, eine inklusive Gesellschaft für alle zu schaffen, auch auf Dauer nicht erreicht werden. Darauf weist „Die Initiative - Verband der Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe Baden-Württemberg“ aktuell hin.

„Wer die Belange der in Baden-Württemberg lebenden Menschen mit Behinderungen ernst nimmt, muss in einer inklusiven Gesellschaft dafür sorgen, dass diesen Menschen stets das Recht zusteht, zu wählen, wo sie wohnen und wo diese am ehesten ihre Chance auf ein Entwicklungschancen bietendes Leben sehen“, betont Pfarrer Rainer Hinzen, der Vorstandssprecher des Verbands. Von Seiten der Politik nur den Umbau der bisher klassischen Zentralstandorte der Groß- und Komplexeinrichtungen sowie eine weitgehende Integration ihrer Angebote in den Gemeinden zu fordern, helfe diesem besonderen Personenkreis wenig.

Damit Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungenauch in Zukunftmoderne und vielfältige Wohn-, Arbeits-, Bildungs- und Therapieangebote haben, muss die Politik ausreichend Mittel für den Aufbau und den Betrieb der personalintensiven Wohn- und Betreuungseinheiten in den Kommunen zur Verfügung stellen.Diese sollen künftig an den Zentralstandorten abgebaut werden. „Die Umsetzung von Inklusion nach dem Prinzip Wunschbaum funktioniert nicht. Es muss vielmehr realistisch betrachtet werden, was in zehn Jahren angesichts der vorhandenen finanziellen Mittel und infrastrukturellen Gegebenheiten tatsächlich geleistet werden kann“, betont Rainer Hinzen.

Der Verband weist deshalb darauf hin, dass sich eine Vielzahl von Menschen mit komplexen Behinderungen in Baden-Württemberg sowie ihre Angehörigen auch in Zukunft die Leistungen von modernen Komplexeinrichtungen an zentralen Standorten wünschen.  Diese aufeinander abgestimmten Hilfearrangements eröffnen die benötigten Lebens- und Teilhabeperspektiven und geben eine Chance zur Rehabilitation. Um jedoch auch diese Leistungen in Zukunft weiter anbieten zu können, muss das Land den finanziellen Weg für Sanierungen bzw. Modernisierungen der historisch gewachsenen Standorte frei machen. Ohne diese finanziellen Hilfen werden die Komplexeinrichtungen den Auflagen des bereits vor Jahren vom Land modernisierten Heimordnungsrechts nicht mehr gerecht werden können. „Für die Menschen mit Behinderungen bedeutet dies in der Folge, dass es nur noch sehr wenige Angebote geben wird, die sie in Anspruch nehmen können“, sagt Rainer Hinzen.  

Der Verband fordert von der Landesregierung seine derzeit für freie Träger der Behindertenhilfe allgemein bereit gestellten Fördersummen zur Investivförderung in Höhe von jährlich rund 23 Mio. Euro auf rund 44 Mio. Euro pro Jahr zu erhöhen. Zur Gewährleistung eines nachhaltigen und für die betroffenen Menschen hilfreichen Umbaus der Komplexstandorte bedarf es dieser Fördermittel für eine Übergangslaufzeit von mindestens zehn Jahren. Der Ankündigung im Koalitionsvertrag, den Umbau der Komplexeinrichtungen durch entsprechende Mittel unterstützen zu wollen, sind bis heute keine Taten gefolgt.

Die vom Verband geforderten Mittelerhöhungen entsprechen dem Fördermittelbedarf, den die baden-württembergischen Träger der Behindertenhilfe zusammen mit dem Kommunalverband für Jugend und Soziales, den Verbänden und der Landessozialpolitik in einem gemeinsamen Diskussionsprozess im Jahr 2013 ermittelt haben.

Die Initiative – Verband der Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe Baden-Württemberg e.V. ist zum Jahreswechsel 2013/2014 von zwölf traditionsreichen Groß- und Komplexeinrichtungen der Behindertenhilfe in Baden-Württemberg gegründet worden. Der Verband nimmt die Interessen von schwer- und mehrfachbehinderten Menschen sowie der Träger von Komplexeinrichtungen gegenüber der Gesellschaft, der Politik und den anderen Verbänden wahr. Zum Kreis der Mitglieder des Verbands zählen:

  • Diakonie Kork
  • Diakonie Stetten
  • Die Zieglerschen
  • Evangelische Stiftung Lichtenstern
  • Johannes-Diakonie Mosbach
  • Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Lautenbach
  • LWV Eingliederungshilfe
  • Mariaberg
  • Sonnenhof
  • St. Josefshaus Herten
  • Stiftung Liebenau
  • Stiftung Haus Lindenhof